Charmante Gratwanderinnen: Kitsch Cats in Düsseldorf, Köln und Wuppertal
Artikel aus der Coolibri, Düsseldorf
April 2011
„Der Grat zwischen Kitsch und Sachen, die ins Herz gehen, ist schmal“, meint Gitarristin Nadja auf den Namen der Düsseldorfer Band Kitsch Cats angesprochen. Die sechsköpfige Frauencombo hält die Balance perfekt und überzeugt mit originellem Elektro-Pop, der die Brücke von den 1980ern in die Gegenwart schlägt.
Sie sind keine Unbekannten in der lokalen Musikszene: Nadja, Schlagzeugerin Mel und Sängerin Tine spielten bereits bei Die Lolas zusammen. Komplettiert werden die Kitsch Cats durch Bassistin Danielle von The Newts, Keyboarderin Isa und Isabelle, die am Computer für Loops und Beats sorgt. Der verführerisch-düstere Unterton von „Mach die Augen zu“ und „Stille“ mit markantem Background-Echo erinnern an frühen Dark-Wave von Silke Bischoff oder aktuelle Bands wie Placebo oder Hurts. Obwohl die Melodie von Nadja an der Gitarre getragen wird, ist jedes Lied der kleinste gemeinsame Nenner der Vorlieben aller Kitsch Cats. Jedes Bandmitglied bringt sich ein, bis die Rohfassung eines neuen Songs schließlich im Proberaum auf Kassetten aufgenommen wird. Fröhlich, aber diszipliniert geht es dabei zu, wie Danielle berichtet: „Wenn man zu sechst Musik macht, muss man sich selbst zurücknehmen können.“ Zeichnet „Sachliche Romanze“ auch das Psychogramm einer gescheiterten Liebe nach – der Spaß des Sextetts an der Musik ist unüberhörbar: „Plätze, an denen endlich was passiert/wo der Mensch ist/und nicht nur pariert“, heißt es in „Unsere Stadt“ – ein Lied, das wie die inoffizielle Hymne zur Düsseldorfer Initiative „Freiräume für Bewegung“ klingt. Tatsächlich entstand es 2010, kurz nach der Aufsehen erregenden Verschönerung der Unterführung an der Ellerstraße mit dem bekannten Affen-Graffito. „Wir haben gedacht, wir unterstützen das auf unsere Weise“, so Nadja. Anfang Februar setzten die Kitsch Cats den musikalischen Rahmen für die Lesung des Comic-Autors Ralf König. „Das war cool“, erinnert sich Tine an den Auftritt in der großen Halle des Düsseldorfer zakk. Für kommende Shows arbeitet das Sextett bereits an einem längeren Set. Es ist also nur eine Frage der Zeit, bis das Instrumental „Orient Express“ wieder live durch die Konzertboxen rollt und man Tine ins Mikrofon rufen hört: „Steig ein!“ Eine charmante Aufforderung, der man nur allzu gern folgt.